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Pressemeldung

Forschungsprojekt untersucht fortgesetzten biologischen Abbau kompostierbarer Kunststoffe im Boden

Ein neues deutsch-österreichisches Forschungsprojekt untersucht, wie sich Fragmente zertifiziert kompostierbarer Kunststofffolien unter realen Bedingungen im Boden biologisch weiter abbauen. Im Fokus steht die Frage, wie schnell mögliche Rückstände, die nach der Kompostierung im Kompost verbleiben, durch Bodenmikroorganismen weiter zersetzt werden. Dafür werden in Österreich und Deutschland Komposte aus Praxisanlagen hergestellt, auf Böden ausgebracht und über bis zu 24 Monate wissenschaftlich begleitet.

Beteiligt sind Forschungseinrichtungen wie die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und die ETH Zürich. Getragen wird das Projekt vom bündnis mikroplastikfrei und der Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft (INAK). Ziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für den sinnvollen Einsatz kompostierbarer Materialien zu schaffen, Mikroplastikeinträge besser zu bewerten und künftige regulatorische Entscheidungen fundiert zu unterstützen.

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Mikroplastik im Alltag

Vom Spülbecken ins Gewässer – Wie viel Mikroplastik unser Alltag wirklich freisetzt.

Der Küchenschwamm liegt unscheinbar neben dem Spülbecken und ist doch Teil eines größeren Systems. Denn jedes Mal, wenn wir Geschirr abwaschen, lösen sich durch Reibung kleinste Kunststoffpartikel aus dem Material. Diese gelangen mit dem Abwasser in Kläranlagen und teilweise weiter in die Umwelt.

Eine aktuelle Studie eines internationalen Forschungsteams rund um die University of Bonn zeigt: Pro Person entstehen durch Küchenschwämme jährlich zwischen 0,68 und 4,21 Gramm Mikroplastik .

Was abstrakt klingt, wird greifbar, wenn man es hochrechnet:

In Österreich mit rund 9,1 Millionen Einwohner:innen ergibt das insgesamt mehrere Tonnen Mikroplastik pro Jahr. Und das allein durch Küchenschwämme.

Und das ist nur eine von vielen Alltagsquellen. Denn die Küche gilt mittlerweile als „Hotspot“ für Mikroplastik: Schneidebretter, Verpackungen oder Kunststoffutensilien tragen ebenfalls dazu bei . Mikroplastik entsteht also nicht nur in Industrie oder Kosmetik, sondern mitten in unseren Routinen: beim Kochen, Reinigen und Spülen.

Ein entscheidender Faktor ist dabei der Kunststoffanteil im Produkt: Schwämme mit hohem Plastikanteil setzen deutlich mehr Mikroplastik frei als solche mit reduziertem Kunststoffanteil.

Wer Mikroplastik im Alltag reduzieren möchte, kann bewusst auf Alternativen aus pflanzlichen Fasern wie Zellulose oder Sisal setzen, da diese deutlich weniger Kunststoff enthalten und entsprechend weniger Mikroplastik freisetzen.

Gleichzeitig zeigt die Studie ein wichtiges Detail: Der größte Teil der Umweltbelastung entsteht nicht durch den Schwamm selbst, sondern durch den Wasserverbrauch beim Abwasch. Das bedeutet: Nachhaltiges Verhalten beginnt nicht nur beim Produkt, sondern auch bei der Nutzung.

Die zentrale Erkenntnis ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:

Mikroplastik ist kein fernes Umweltproblem. Es entsteht direkt im Alltag.

Und genau dort liegt auch der Hebel für Veränderung.

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EU-Regelungen zu Verpackung, Chemikalien und Werbung mit Umweltaussagen

Wenn wir über Mikroplastik sprechen, landen wir schnell bei einer entscheidenden Frage: Wer trägt Verantwortung? Konsument:innen? Unternehmen? Politik?

Die ehrliche Antwort lautet: alle, aber nicht im gleichen Ausmaß. Viele Einträge entstehen durch Produktdesign, Materialwahl und fehlende Transparenz. Genau hier greifen mehrere aktuelle EU-Regulierungen ein: PPWR, REACH, Green Claims und EMPCO.

Diese neuen gesetzlichen Vorgaben haben sehr konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag, hier ein kurzer Überblick über einige zentrale Inhalte:

Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR)

Die neue Verpackungsverordnung setzt verbindliche Reduktionsziele für Verpackungen, stärkt Mehrwegmodelle und definiert klare Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteile.

Für das Thema Mikroplastik ist das zentral: Weniger Verpackung bedeutet weniger Kunststoff im Umlauf und damit langfristig weniger Zersetzung, Abrieb und Eintrag in die Umwelt. Zudem ist in der Verordnung auch der Eintragspfad von Mikroplastik über Bioabfall im Fokus. Einige Produkte wie bspw. Aufkleber für Obst und Gemüse, Teebeutel, Kaffepads und weiche Kapseln müssen zertifiziert kompostierbar sein.

Für Konsument:innen wird das spürbar: mehr Mehrwegoptionen, veränderte Verpackungsdesigns, möglicherweise auch neue Standards im Handel.

REACH Regulation

REACH regelt Chemikalien in der EU. Seit 2023 ist bewusst zugesetztes Mikroplastik in vielen Produktkategorien schrittweise verboten, beispielsweise in Kosmetika oder Reinigungsmitteln.

Das betrifft sogenanntes primäres Mikroplastik, also Partikel, die absichtlich beigemischt werden. Hier wird eine klar identifizierbare Quelle direkt adressiert.

Für Verbraucher:innen bedeutet das: Rezepturen ändern sich, Transparenzpflichten steigen, Produkte werden neu formuliert.

Green Claims Directive

Die Green Claims Richtlinie zielt auf Umweltversprechen. Unternehmen müssen künftig belegen, wenn sie mit „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder ähnlichen Begriffen werben.

Gerade im Kontext Mikroplastik ist das entscheidend. Begriffe wie „biologisch abbaubar“ oder „plastikfrei“ müssen auf anerkannten Zertifizierungssystemen beruhen. Hier geht es nicht um Marketing, sondern um wissenschaftliche Erkenntnisse und anerkannte Normen.

Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EMPCO)

EMPCO stärkt Verbraucherrechte in der grünen Transformation. Pauschale Umweltclaims ohne Beleg werden untersagt, Nachhaltigkeitssiegel müssen nachvollziehbar sein. Mit dem Start der Direktive, die ab September 2026 für alle Unternehmen verbindlich gilt, endet die Zeit der Eigenlabel und ungeprüften Nachhaltigkeits-Claims.

Für Konsument:innen heißt das: weniger Label-Dschungel, mehr Verlässlichkeit. Entscheidungen sollen informierter möglich werden – nicht emotionaler.

Der Unterschied zwischen Green Claim und EMPCO liegt im Regelungsansatz: Die Green Claims Directive verpflichtet Unternehmen, konkrete Umwelt­aussagen wissenschaftlich zu belegen und vorab prüfen zu lassen. Sie regelt also die inhaltliche Substanz von Aussagen wie „klimaneutral“ oder „mikroplastikfrei“. Die Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EMPCO) hingegen ist eine verbraucherschutzrechtliche Ergänzung, die irreführende oder pauschale Nachhaltigkeitswerbung grundsätzlich verbietet, etwa unbelegte allgemeine Umweltclaims oder selbst erfundene Öko-Siegel.

Was das mit dem bündnis mikroplastikfrei zu tun hat?

Diese Regelwerke bestätigen eine zentrale Überzeugung des bündnis mikroplastikfrei: Mikroplastik ist kein reines Konsumthema, sondern eine Strukturfrage.

Reduktion gelingt nicht nur durch Appelle, sondern durch:

  • klare Produktstandards
  • transparente Kennzeichnung
  • nachvollziehbare Umweltinformationen
  • regulatorische Leitplanken

Und was bedeutet das konkret?

  • Für Unternehmen steigen die Anforderungen an Produktdesign und Kommunikation
  • Für Konsument:innen wird Orientierung einfacher
  • Für die Umwelt entsteht ein kohärenter Rahmen, der Reduktion vor Recycling stellt.

Die EU-Initiativen markieren einen Richtungswechsel: Weg vom freiwilligen Nachhaltigkeitsnarrativ, hin zu überprüfbaren Standards – denn systemische Probleme brauchen systemische Antworten und genau die beginnen hier.

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Aktuelles Bündnis News

Rückblick: Barcamp

28.02.2026 | Impact Hub Vienna

Was ist eigentlich ein Barcamp?

Ein Barcamp ist kein klassischer Kongress mit fixem Programm und Frontalvorträgen. Es ist ein offenes Austausch-Format. Die Teilnehmenden bringen ihre Themen selbst ein, Sessions entstehen vor Ort, Dialog ersetzt Präsentation. Wer da ist, gestaltet mit. Wissen wird nicht konsumiert, sondern gemeinsam erarbeitet.

Genau dieses Prinzip hat unser Barcamp zum Thema Mikroplastik getragen.

Mikroplastik neu denken

In vier parallelen Sessions wurde deutlich: Mikroplastik ist kein Randthema, sondern eine systemische Herausforderung. Diskutiert wurden

  • Materialalternativen
  • Konsumentenverhalten
  • politische Hebel
  • Eintragspfade in Böden und Gewässer sowie
  • Fragen der Messbarkeit.

Die zentrale Erkenntnis:

Vollständige Vermeidung ist unrealistisch. Messbare Reduktion ist möglich.

Und dafür braucht es mehr als Recycling.

Was diskutiert wurde

Material & Markt
Biologisch abbaubare Kunststoffe sind verfügbar, aber teuer und oft missverstanden. Es braucht klare Kennzeichnung, landesweit einheitliche Entsorgungslogiken und die Einbindung des Handels. Recycling allein greift zu kurz.

Kommunikation & Bewusstseinsbildung
Mikroplastik ist unsichtbar – und genau das erzeugt Ohnmacht. Die Gruppe plädierte für transparente, lösungsorientierte Kommunikation statt Moralisierung. Idee: ein einfaches Orientierungssystem (z. B. Ampelmodell) und klare Kennzahlen wie ein Pro-Kopf-Plastikverbrauch.

Politische Handlungsspielräume
Reifenabrieb, Textilfasern, Additive, Abwasser: die Eintragspfade sind vielfältig. Diskutiert wurden Deklarationspflichten, strengere Vorgaben für Reifen, bessere Kontrolle bestehender Regelungen und EU-weite Ansätze.

Mikroplastik in Böden
Messbarkeit ist komplex und teuer. Grenzwerte fehlen weitgehend. Klar wurde: Maßnahmen müssen an gesicherte Wirkungsdaten gekoppelt sein – gleichzeitig müssen Einträge reduziert werden.

Warum dieses Format überzeugt

Das Barcamp hat gezeigt, was möglich wird, wenn Expert:innen, Personen aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft auf Augenhöhe arbeiten:

  • interdisziplinärer Austausch statt Silodenken

  • Tiefgang statt Schlagwort

  • konkrete nächste Schritte statt reiner Problembeschreibung

Das Barcamp war kein einmaliger Diskursraum.
Es war ein Auftakt.

Und genau darum geht es: Verantwortung teilen – und Wirkung multiplizieren.

Fotos: Anna Hink

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Aktuelles Bündnis

Jahresbericht 2025

Ein Jahr Wirkung, Austausch & Verantwortung: Der Jahresbericht 2025 zeigt die Wirkung gemeinsamer Verantwortung: starke Partnerschaften, erfolgreiche Veranstaltungen und breite Öffentlichkeitsarbeit haben Mikroplastik weiter ins Bewusstsein gerückt.

Gemeinsam haben wir Wissen geteilt, Bewusstsein geschaffen und konkrete Impulse für Veränderung gesetzt – sachlich fundiert, lösungsorientiert und mit wachsender Reichweite.

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Aktuelles

Mikroplastik – eine aktuelle Herausforderung?

Am 19. November 2025 lud der ÖWAV gemeinsam mit dem bündnis mikroplastikfrei zu einem Fachseminar nach Wien, das sich der wachsenden Bedeutung von Mikroplastik widmete. Fachleute aus Wasser- und Abfallwirtschaft, Behörden, Industrie, Analytik sowie Land- und Forstwirtschaft beleuchteten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, regulatorische Entwicklungen und praktische Herausforderungen im Umgang mit Mikroplastik.

Im Zentrum standen Entstehung, Verbreitung und Wirkung von Mikro- und Nanoplastik in Umwelt und Organismen. Beiträge zeigten auf, wie Kunststoffpartikel über Abrieb, Abwasser und Luft in Böden, Gewässer und letztlich in die Nahrungskette gelangen. Diskutiert wurden sowohl ökologische als auch gesundheitliche Fragestellungen, offene Wissenslücken sowie die Notwendigkeit abgestimmter Analysemethoden. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in den Aktionsplan Mikroplastik 2022–2025, der auf Emissionsreduktion, bessere Datenlage, Regulierung und Bewusstseinsbildung entlang des gesamten Kunststofflebenszyklus abzielt.

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Innovationen gegen Plastik-
verschmutzung

Am 6. Oktober lud alchemia-nova gemeinsam mit dem Bündnis mikroplastikfrei ins Climate Lab Wien zur Veranstaltung „Innovations to prevent Plastic Pollution“. Im Rahmen des EU-Projekts INSPIRE präsentierten internationale Expert:innen spannende Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen. 

Ein interdisziplinäres Panel aus Industrie, Forschung, Verwaltung und Start-ups diskutierte, wie nachhaltige Materialien erfolgreich am Markt etabliert werden können – ein inspirierender Austausch, der den Wert von Zusammenarbeit für eine nachhaltige Materialzukunft unterstrich.

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Fachkonferenz für erneuerbare Materialien in Siegburg

Vom 22. bis 24. September trafen sich Wirtschaft, Forschung und Politik zur Renewable Materials Conference des nova-Instituts bei Köln. Im Fokus standen aktuelle Innovationen und Trends rund um erneuerbare Materialien. Eine eigene Session am 24. September widmete sich den biologisch abbaubaren Materialien – mit spannenden Beiträgen mehrerer Partner des Bündnis mikroplastikfrei.

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„Internationaler Praktikertag Kompostierung“ in der Steiermark

Zahlreiche Kompostanlagenbetreiber und Akteure aus der Abfallwirtschaft kamen am 18. September zu Erdbau Winkler in die Steiermark. Die Präsentationen neuester Technologien im Bereich der Kompostanlagentechnik faszinierten das Publikum.

Mit über 700 Teilnehmern war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Auch das bündnis mikroplastikfrei unterstützte wieder als Mitveranstalter und war  mit dem Team vor Ort dabei.

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Achtung vor gefälschten Biosackerln!

Derzeit sind in Österreich vermehrt angebliche „Biosackerl“ im Umlauf, die in Wahrheit aus herkömmlichem Kunststoff bestehen – oft mit irreführenden Aufdrucken oder sogar gefälschten Zertifikaten.

Das bündnis mikroplastikfrei informiert mit gezielten Kommunikationsmaßnahmen und unterstützt die Behörden bei der Aufklärung.

ORF konkret hat dem Thema einen aktuellen Beitrag gewidmet.