Vom Spülbecken ins Gewässer
Wie viel Mikroplastik unser Alltag wirklich freisetzt
Der Küchenschwamm liegt unscheinbar neben dem Spülbecken und ist doch Teil eines größeren Systems. Denn jedes Mal, wenn wir Geschirr abwaschen, lösen sich durch Reibung kleinste Kunststoffpartikel aus dem Material. Diese gelangen mit dem Abwasser in Kläranlagen und teilweise weiter in die Umwelt.
Eine aktuelle Studie eines internationalen Forschungsteams rund um die University of Bonn zeigt: Pro Person entstehen durch Küchenschwämme jährlich zwischen 0,68 und 4,21 Gramm Mikroplastik .
Was abstrakt klingt, wird greifbar, wenn man es hochrechnet:
In Österreich mit rund 9,1 Millionen Einwohner:innen ergibt das insgesamt mehrereTonnen Mikroplastik pro Jahr. Und das allein durch Küchenschwämme.
Und das ist nur eine von vielen Alltagsquellen. Denn die Küche gilt mittlerweile als „Hotspot“ für Mikroplastik: Schneidebretter, Verpackungen oder Kunststoffutensilien tragen ebenfalls dazu bei . Mikroplastik entsteht also nicht nur in Industrie oder Kosmetik, sondern mitten in unseren Routinen: beim Kochen, Reinigen und Spülen.
Ein entscheidender Faktor ist dabei der Kunststoffanteil im Produkt: Schwämme mit hohem Plastikanteil setzen deutlich mehr Mikroplastik frei als solche mit reduziertem Kunststoffanteil.
Wer Mikroplastik im Alltag reduzieren möchte, kann bewusst auf Alternativen aus pflanzlichen Fasern wie Zellulose oder Sisal setzen, da diese deutlich weniger Kunststoff enthalten und entsprechend weniger Mikroplastik freisetzen.
Gleichzeitig zeigt die Studie ein wichtiges Detail: Der größte Teil der Umweltbelastung entsteht nicht durch den Schwamm selbst, sondern durch den Wasserverbrauch beim Abwasch. Das bedeutet: Nachhaltiges Verhalten beginnt nicht nur beim Produkt, sondern auch bei der Nutzung.
Die zentrale Erkenntnis ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:
Mikroplastik ist kein fernes Umweltproblem. Es entsteht direkt im Alltag.
Und genau dort liegt auch der Hebel für Veränderung.