Wenn wir über Mikroplastik sprechen, landen wir schnell bei einer entscheidenden Frage: Wer trägt Verantwortung? Konsument:innen? Unternehmen? Politik?
Die ehrliche Antwort lautet: alle, aber nicht im gleichen Ausmaß. Viele Einträge entstehen durch Produktdesign, Materialwahl und fehlende Transparenz. Genau hier greifen mehrere aktuelle EU-Regulierungen ein: PPWR, REACH, Green Claims und EMPCO.
Diese neuen gesetzlichen Vorgaben haben sehr konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag, hier ein kurzer Überblick über einige zentrale Inhalte:
Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR)
Die neue Verpackungsverordnung setzt verbindliche Reduktionsziele für Verpackungen, stärkt Mehrwegmodelle und definiert klare Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteile.
Für das Thema Mikroplastik ist das zentral: Weniger Verpackung bedeutet weniger Kunststoff im Umlauf und damit langfristig weniger Zersetzung, Abrieb und Eintrag in die Umwelt. Zudem ist in der Verordnung auch der Eintragspfad von Mikroplastik über Bioabfall im Fokus. Einige Produkte wie bspw. Aufkleber für Obst und Gemüse, Teebeutel, Kaffepads und weiche Kapseln müssen zertifiziert kompostierbar sein.
Für Konsument:innen wird das spürbar: mehr Mehrwegoptionen, veränderte Verpackungsdesigns, möglicherweise auch neue Standards im Handel.
REACH Regulation
REACH regelt Chemikalien in der EU. Seit 2023 ist bewusst zugesetztes Mikroplastik in vielen Produktkategorien schrittweise verboten, beispielsweise in Kosmetika oder Reinigungsmitteln.
Das betrifft sogenanntes primäres Mikroplastik, also Partikel, die absichtlich beigemischt werden. Hier wird eine klar identifizierbare Quelle direkt adressiert.
Für Verbraucher:innen bedeutet das: Rezepturen ändern sich, Transparenzpflichten steigen, Produkte werden neu formuliert.
Green Claims Directive
Die Green Claims Richtlinie zielt auf Umweltversprechen. Unternehmen müssen künftig belegen, wenn sie mit „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder ähnlichen Begriffen werben.
Gerade im Kontext Mikroplastik ist das entscheidend. Begriffe wie „biologisch abbaubar“ oder „plastikfrei“ müssen auf anerkannten Zertifizierungssystemen beruhen. Hier geht es nicht um Marketing, sondern um wissenschaftliche Erkenntnisse und anerkannte Normen.
Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EMPCO)
EMPCO stärkt Verbraucherrechte in der grünen Transformation. Pauschale Umweltclaims ohne Beleg werden untersagt, Nachhaltigkeitssiegel müssen nachvollziehbar sein. Mit dem Start der Direktive, die ab September 2026 für alle Unternehmen verbindlich gilt, endet die Zeit der Eigenlabel und ungeprüften Nachhaltigkeits-Claims.
Für Konsument:innen heißt das: weniger Label-Dschungel, mehr Verlässlichkeit. Entscheidungen sollen informierter möglich werden – nicht emotionaler.
Der Unterschied zwischen Green Claim und EMPCO liegt im Regelungsansatz: Die Green Claims Directive verpflichtet Unternehmen, konkrete Umweltaussagen wissenschaftlich zu belegen und vorab prüfen zu lassen. Sie regelt also die inhaltliche Substanz von Aussagen wie „klimaneutral“ oder „mikroplastikfrei“. Die Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EMPCO) hingegen ist eine verbraucherschutzrechtliche Ergänzung, die irreführende oder pauschale Nachhaltigkeitswerbung grundsätzlich verbietet, etwa unbelegte allgemeine Umweltclaims oder selbst erfundene Öko-Siegel.
Was das mit dem bündnis mikroplastikfrei zu tun hat?
Diese Regelwerke bestätigen eine zentrale Überzeugung des bündnis mikroplastikfrei: Mikroplastik ist kein reines Konsumthema, sondern eine Strukturfrage.
Reduktion gelingt nicht nur durch Appelle, sondern durch:
- klare Produktstandards
- transparente Kennzeichnung
- nachvollziehbare Umweltinformationen
- regulatorische Leitplanken
Und was bedeutet das konkret?
- Für Unternehmen steigen die Anforderungen an Produktdesign und Kommunikation
- Für Konsument:innen wird Orientierung einfacher
- Für die Umwelt entsteht ein kohärenter Rahmen, der Reduktion vor Recycling stellt.
Die EU-Initiativen markieren einen Richtungswechsel: Weg vom freiwilligen Nachhaltigkeitsnarrativ, hin zu überprüfbaren Standards – denn systemische Probleme brauchen systemische Antworten und genau die beginnen hier.