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Bündnis mikroplastikfrei

Wir finden es mittlerweile überall, vom Gletscher über den Boden bis zum Trinkwasser und in verschiedenen Farben und Größen: „Plastik“. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das sogenannte Mikroplastik entsteht zum Großteil durch Reifenabrieb, durch Fraktionierung und Zersetzung von Kunststoffprodukten, durch Zusätze in Duschgels, Shampoos, Zahnpasten etc.[1] Aber auch größere Plastikteile, meist als Abfall, belasten in hoher Menge unsere Umwelt. Welche Auswirkungen und Folgen vor allem für künftige Generationen entstehen, ist noch weitgehend unbekannt. Es ist ein Gebot der Stunde, Plastik- und Mikroplastik-Einträge in die Umwelt zu verhindern und die derzeit nahezu ungehemmte Freisetzung von Makro-, Mikro-, Nanoplastik signifikant einzudämmen.

Ziel des Bündnis mikroplastikfrei ist es, das Problem an der Wurzel zu packen. Es gilt, schrittweise die Verursacher zu identifizieren, um möglichst gemeinsam umsetzbare Strategien für eine Systemumstellung zu erarbeiten, die weitere Plastikeinträge in unsere Umwelt verhindert. Das Bündnis mikroplastikfrei setzt sich daher für intelligente, nachhaltige und technisch machbare Maßnahmen ein, die nachfolgenden Grundsätzen entsprechen:

Mehrweg statt Einweg

Wo immer möglich und sinnvoll, sollen Einweg- durch Mehrweglösungen ersetzt werden. Verpackungsdesign und Herstellerverantwortung im Sinne der Kreislaufwirtschaft sind zu beachten.

Verpackung reduzieren

Abfallvermeidung steht in der Hierarchie der Abfallpolitik an oberster Stelle, so auch hier. Gängige Verpackungspraktiken sollen sowohl von Hersteller- als auch von Konsumentenseite auf ihre grundsätzliche Notwendigkeit kritisch hinterfragt werden. Viele davon verschwenden wertvolle Ressourcen, verursachen Plastikabfall und sind oft zur Gänze entbehrlich.[2]

Verpackung modifizieren

Alle eingesetzten Verpackungsmaterialen sind so zu modifizieren, dass sie bei dem Problem „Littering“ – dem achtlosen Wegwerfen von Abfall – oder bei Fehlwürfen in die Biotonne rückstandsfrei biologisch abbaubar sind und somit zu keinen langfristig in der Umwelt verbleibenden Mikroplastikeinträgen führen.[3]

Abbaubare Alternativen für bestimmte Anwendungsbereiche

Wo der Einsatz von Mehrweglösungen nicht möglich ist, sollen die Einwegartikel aus zertifizierten und rückstandsfrei abbaubaren Stoffen hergestellt werden, beispielsweise bei Hygieneartikel wie Wattestäbchen und anderen Produkten.[4] Gelangen diese durch Littering (welches durch gezielt gesetzte Maßnahmen zu vermeiden ist) in unsere Umwelt, entsteht daraus kein persistentes Mikroplastik. Insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Landschaftsbau gilt es, auf zertifiziert abbaubare Materialien umzusteigen. Dazu zählen etwa Anwendungen wie Mulchfolien, Rankhilfen, Pflanztöpfe, Verbiss-, Schäl- und Fegeschutze. Auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise bei Sport- und Freizeitanlagen – Tennis- und Reitplätzen, Fußballkunstrasen usw. –, muss zu biologisch abbaubaren oder unbedenklichen Materialien gewechselt werden. Eingesetzte Produkte in diesen Bereichen befinden sich direkt in der Umwelt, die Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Freisetzung oder Verwitterung ist als hoch einzuschätzen. Es ist daher eine Forderung des Bündnisses, dass diese Materialien in der Natur vollkommen biologisch abbaubar sein müssen.

Ausbau des Recyclings von Produkten
aus biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW)

Produkte aus biologisch abbaubaren Werkstoffen, welche die konventionellen, nicht abbaubaren Werkstoffe ersetzen, sollen nach Möglichkeit einem Materialrecycling zugeführt werden, um entsprechend der Abfallhierarchie die wertvollen Rohstoffe und die im Material enthaltene Energie möglichst lange zu nutzen.

Einheitliche Regelungen für die Kennzeichnung
und Inverkehrbringung von BAW

Zertifiziert biologisch abbaubare Werkstoffe sind eine wesentliche Grundlage, um die Bildung von Mikroplastik als Folge von Gebrauch und unsachgemäßer Entsorgung (Fehlwürfe, Littering/Verluste) zu verhindern. Die Einhaltung der EN 13432 als aktuelle Zertifizierungsgrundlage ist daher im Interesse aller Bündnispartner entsprechend zu kontrollieren.

Stopp des gezielten Einsatzes von Mikroplastik in Produkten

Primäres Mikroplastik wird für manche Anwendungen, wie zum Beispiel in Zahnpasta, Duschgels, Kosmetikprodukten, gezielt hergestellt.[5] Dieser bewusste Einsatz von Mikroplastikpartikeln in Produkten gehört unverzüglich verboten.

Reduktion unbeabsichtigter Mikroplastikfreisetzung

Sekundäres Mikroplastik entsteht bei „normalem“ Gebrauch von Kunststoffprodukten durch Abnutzung, Verwitterungs-, Alterungs- oder Zerfallsprozessen, wie zum Beispiel durch Abrieb von Reifen, Schuhsohlen etc. An der Entwicklung von Ersatzmaterialien wird bereits geforscht, doch wird eine breite Markteinführung neuer Materialien noch Jahre dauern. Es ist daher dringendst erforderlich gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die einerseits eine weitere Freisetzung von Mikroplastik mit rascher Wirkung möglichst unterbinden und andererseits attraktive Anreize für die Entwicklung neuer, mikroplastikfreier Produkte bieten.

Öffentlichkeitsarbeit

International, national, regional und lokal soll durch Länder, Gemeinden, Abfallverbände, Gewerbe, Industrie, Konsumentenverbände etc. in deren Öffentlichkeitsarbeit auf die Vermeidung, korrekte Verwendung, Sammlung und Entsorgung von Kunststoffprodukten sowie eine weitgehende Vermeidung von Littering hingewiesen werden. Von den Behörden ist das Zuwiderhandeln durch wirksame Maßnahmen zu ahnden, um Anreize zu einer Verhaltensänderung bei Verursachern zu schaffen.

Das bündnis mikroplastikfrei selbst wird sich mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit an Konsument*innen, Produzenten, Entscheidungsträger und alle weiteren Bündnispartner wenden, um seinen Forderungen Gehör zu schaffen und wirksame Lösungen zu erzielen.

 

 

[1] Fraunhofer UMSICHT. 2018. Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik.

[2] Zum Beispiel einzeln abgepacktes Gemüse oder sonstige Produkte, vorgeschnittenes Obst u.v.a.

[3] Nachweis durch Zertifizierung nach EN 13432

[4] Teilweise bereits in Umsetzung, vgl. EU-Richtlinie 2019/904

[5] Umweltbundesamt. 2019. Mikroplastik in der Umwelt

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Kontakt

Bündnis mikroplastikfrei

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